Text zur Serie „Wasser“


Die Natur ist mir ein Lebenselixier. Landschaften durchstreifen, durchwandern, im Garten schaffen, Licht sehen, das Wachsen, die Veränderungen, die Qualitäten der Elemente.

Mit Wasser, seinen Bewegungen und Strukturen befasse ich mich seit Jahren. Ein unerschöpfliches Thema. Für mich als Grafikerin spielt besonders die Struktur der Bewegung, der Strömungen, Spiegelungen, Rhythmen, Oberflächen, der Weite des Fließens und der Farbgewichtungen eine Rolle. Technisch habe ich dieses Thema fotografisch, zeichnerisch, in Holzschnitten, Collagen und der Kombination aller Möglichkeiten untereinander durchgespielt. Im Tun eröffnen sich mir immer wieder neue Wege und Erweiterungen, wie seit Herbst 2008 das Aufsprengen der Bildgrenzen.

Ich möchte nicht nur Gesehenes verarbeiten und" ins Bild bringen", ich möchte auch Fremdes miteinander vereinen oder konfrontativ gegeneinander setzen: Denkanstöße geben, das Auge wecken, die Phantasie in Bewegung setzen, einen gestalteten Vorgang in der Zeit einfangen, eine zeitliche und räumliche Grenze aufheben ...

Bei den großflächigen Holzschnitten z.B. kann sich der Fluss der Bewegung ungehindert entfalten und öffnen. Die Farbigkeit unterstützt das Thema. Die Farbe wird nicht malerisch eingesetzt, sondern eher wie ein Hinweis: Blau, Blaugrün ist Wasser, Schatten ist Dunkel, Geäst dunkel und dicht... Da liegt es auch nahe, mit Fotos bildnerisch umzugehen. Und die Betonung des Grafischen hat bis hin zu einem "Zeichnen" mit der Nähmaschine geführt, auch einer überraschenden stofflichen Materialität. Jede neue Arbeitsperiode eröffnet eine neue Facette und Weiterentwicklung: Hin zu mehr Raum und Tiefe und Mehrdeutigkeit.

Meine Materialfreude, meine Experimentierlust, meine Freude künstlerisch zu arbeiten hat im Wasserthema ein befruchtendes Äquivalent gefunden. Ich wünschte mir, dies könnte im Betrachter auch die Lust am Schauen auslösen und der Umwelt, unserem Dasein, dem Bild einen neuen Blick schenken.

Es gibt noch eine andere Seite meines Schaffens, die wie ein neuentstandener Kontrapunkt zu der bisherigen Arbeit wirkt. Sie entsteht völlig anders, wirkt anders.

Seit Frühjahr 2008 habe ich mir kleine lapidare Holzformen ausgesägt, abgedruckt und diese mit farbigen "Zeichen" besetzt, die so stark eingreifen wie ein Signal. Hier ist Rot wichtig; hier ist das kleine Format wichtig, die Serie, eine Sammlung den Betrachter intensiv anschauender "Dinge". Sie sind mir noch neu. Sie fallen aus mir heraus wie gefundene Worte.

Brigitte Dümling Januar 2009
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