Rätsel der Alltagsdinge

Gisela Griem im Restaurant des Andreasstadels


REGENSBURG. Rätselbilder-Spielereien mit Digitalfotografien? Mit erfrischender Begeisterung erzählt die Malerin und Zeichnerin Gisela Griem über ihre neuen Experimente mit Fotos von alltäglichsten Gegenständen, etwa einem Papierkorb oder von Heuschrecken oder Miniaturlandschaften aus Steinresten, die nun in einer Ausstellung im Restaurant im Andreasstadel zu sehen sind. Griem lebt seit 1967 in Regensburg.

Zunächst bearbeitet sie Fotos am Computer, dann werden sie fragmentiert, serialisiert, collagiert und teilweise übermalt. Das einzelne so entstandene Bild ist also bereits mehrfach geschichtet und verfremdet. Diese Arbeiten organisiert Gisela Griem dann zu jeweils fest gefügten Bildgruppen, zu einem Ensemble. Linearität und Ordnung setzen sich im Großen fort, und wirken von da aus zurück aufs Detail. Einheit in der Mannigfaltigkeit, seit alters her ein Kennzeichen von Kunst, ist bereits durch die formale Dimension gegeben, auch durch die Farben, die oft auf Schwarz-Weiß reduziert sind und mit Akzenten in erdigen Farben spielen.

Doch dem Betrachter reicht das nicht, er will „hinter“ diese ästhetischen Erscheinungen kommen, wissen und ergründen, welche Bedeutung diese fremd-vertrauten Formen haben könnten.

Die Rätselbilder erinnern von fern an Puzzles, Gegenstandsfragmente, die in die richtige Ordnung gebracht werden müssen. Was die richtige Ordnung ist, steht dabei von vornherein fest. Anders bei den Bildern von Gisela Griem. Fest steht bei diesen Bildern gar nichts. Andererseits sind sie bereits fertig, müssen nicht erst richtig gemacht werden. Und doch suchen wir nach vertrautem Sinn, und dann vielleicht nach neu Erkennbarem. Bei Immanuel Kant ist die Kunsterfahrung zweckfreies und unendliches Spiel von Vorstellungskraft und Vernunft. Doch dazu braucht die Kunst Potenzial: hinreichende Ordnung, Komplexität und Offenheit, die neugierig machen. Besonders schön ist übrigens Gisela Griems Müllsackbild, aus dem bei der Metamorphose des Sinns ein wirbelnder Buchstaben-Reigen wurde.

Gabriele Mayer
Quelle: Mittelbayerische Zeitung Regensburg, 09.05.2006
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