Neue Perspektiven des Werdenfelser Landes


Grainau – Gisela Griem ist eine Spätberufene. Wer aber ihre Holzschnitte in der Dorfgalerie Grainau betrachtet, der gewinnt auf den ersten Blick den Eindruck, dass es sich bei den dynamischen Linienkommpositionen um die Arbeiten eines jungen Menschen handeln müsse.

Die 69-jährige Künstlerin kann sich diese Tatsache selber nicht erklären: "Ich, habe nur ein paar Motive, gar nicht mal so viele; es sind eigentlich mehr freie Entwürfe, so ein Tanzen des Bleistiftes, was sich dann verselbständigt hat." Inspiriert von der Staffelsee-Landschaft, dem Murnauer Moos sowie den umIiegenden Bergen schafft sich die in Wenzenbach bei Regensburg lebende Künstlerin ihre ganz persönlichen Murnau- Variationen.

Dabei bereichert Griem ihre luftigen Darstellungen mit Resten von Seidenpapier, dass sie vorher zur Ablöschung ihrer Bilder verwendet. Mit einem behutsamen Handdruck, der beim Produktionsprozess das Entscheidende sei, erzielt' sie eine durchbrochene Bildstruktur.

Auf diese Weise verwandelt sie den Bildgrund in einen rhythmisch gegliederten Bildraum.

Den lyrischen Gesamteindruck ihrer Präsentation in der Dorfgalerie heben am besten die Verse morgenländischer Dichtungen hervor, die Gisela Griem in ihrem aktuellen Katalog "Gefundene Landschaften" neben ihre Arbeiten stellt. So zum Beispiel die Zeile "Der Herbst der Felder/ Läuft durch die Gräser dahin/ Als Windesrauschen" von Matsuo Bashö.

Monika Ott aus Farchant, die mit der Künstlerin seit vielen Jahren befreundet ist, sagte in ihrer Ansprache über die Wahl des Ausstellungstitels:
"Man darf von erfundenen Landschaften sprechen." Denn schließlich ermögliche Griem den Besuchern mit ihren, der Natur abgelauschten Interpretationen, eine neue Betrachtungsweise von Landschaft.

Andreas Röder
Münchner Merkur, Garmisch-Partenkirchen & Region, 30. September 2009
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