Minimalismus fängt das Wesen der Natur ein


Wie schon so oft erweist sich die Residenz Hilpoltstein als idealer Ort für Kunstausstellungen unterschiedlichster Art. Diesmal sind es die Holz- und Linolschnitte der Künstlerin Gisela Griem.

„Hopfen und mehr . . .“ ist die Ausstellung überschrieben, wobei das „mehr“ in diesem Fall Vögel sind. Gisela Griem ist im Jahr 1940 im österreichischen Graz zur Welt gekommen. Lange Zeit lebt sie aber schon in Regensburg. Dort hatte sie bis zu ihrer Pensionierung bei den Englischen Fräulein als Studienrätin die Sprachen Englisch und Französisch unterrichtet. Im Ruhestand hatte sie nun mehr Zeit, sich dem künstlerischen Gestalten zu widmen. Sie experimentierte mit verschiedenen Mal- und Zeichentechniken, bevor sie 2005 begann, Drucke mit Linol- und Holzschnitt zu erstellen. In diesen beiden Techniken hat sie es zur Perfektion gebracht.

Dabei geht sie thematisch vor und sucht Bezüge zum Ort der Ausstellungen. Ihre Werke zum Thema Hopfen beispielsweise hat sie zuvor in Geisenfeld in der Holledau, dem größten zusammenhängenden Hopfenanbaugebiet der Welt, und in Spalt gezeigt. Andere Arbeiten waren etwa in Regensburg, im bayerischen Landtag, in Murnau und in Berlin zu sehen.

Eine Fülle von Variationen wendet Gisela Griem auch beim Thema Zugvögel an. Hier herrscht die Technik des Linolschnitts vor. Meist liegen mehrere Farbschichten übereinander. Verschiedene Farben, Spiegelungen und Nachbearbeitungen mit Pinsel und Bleistift, aber auch Collagen mit unterschiedlichen Papiersorten geben den Darstellungen ihr charakteristisches Gepräge. Bei der Vernissage erinnerte der stellvertretende Bürgermeister Josef Lerzer daran, dass schon Albrecht Dürer Holzschnitte erstellt hatte. Nur wenige Stunden zuvor hatte Harald Griem, Sohn der Künstlerin, erfahren, dass er die Ausstellungseröffnung musikalisch gestalten solle. Trotzdem kam er angereist und interpretierte auf der Querflöte mehrere Capricen von Anton Stamitz.

Frank Hegewald vom Berufsverband bildender Künstlerinnen und Künstler Nürnberg Mittelfranken sprach die Laudatio. Er hatte beim Thema Hopfenbilder zuerst „seelenvolle Romantik und Nebelgrauen über Hopfenstangen“ befürchtet. Doch nichts von dem habe er jetzt vorgefunden. „Es sind vielmehr akribisch herausgearbeitete Strukturen, reduziert und neu geformt.“ Es ist nach seinen Worten eine Genauigkeit im Beobachten, ein Reduzieren auf das Wesentliche, mit dem dieser Minimalismus die Natur individuell interpretiert und eine neue Betrachtungsweise der Landschaft schafft. Strukturen geben dabei die Ordnung in der Natur wieder, Linien aber lassen die Formen erkennen. „Strukturen und Linien“, so Hegewald, „lassen einen Raum entstehen, in dem das eigentliche Bild zum Vorschein kommt. Wenige Motive tauchen in immer wieder neuen Varianten und Farbspielen auf. Klare, fast archaische Formen sind das Ergebnis.“

Die Ausstellung ist montags bis donnerstags von 9 bis 17 Uhr zu sehen, freitags von 9 bis 15 Uhr und sonntags von 10 bis 14 Uhr. Für Samstag, 26. Oktober, lädt Gisela Griem zu einem Rundgang ein.

Von Manfred Klier, Donaukurier 1.10.2013
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